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Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 29

 
Heute könnt ihr das eBook „Essenz: Band 1 – Das Blut der Götter“ von Youya Lo gewinnen!
 
Kurzbeschreibung:
Seit Nika ihr magisches Schutzamulett verloren hat, ist sie für die Feinde ihrer übernatürlichen Eltern sichtbar. Das ist ein Problem, denn Nika verfügt nicht über ihre besonderen Fähigkeiten. Sie ist normalsterblich. Und somit wehrlos.
Youya Lo
 
Leseprobe aus dem Buch „Essenz: Band 1, Das Blut der Götter“ Genre: Urban Fantasy Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als kindle edition Außerdem findet ihr auf ihrer Hompage alle Infos zum Buch
 
Leseprobe
EINS
Neujahr 2013
Während die Flugbegleiterin ihre Ersatzbluse zuknöpfte, betrachtete Daniel die provisorische Küche der Boeing durch ihre Augen. Er nutzte die Fähigkeit der Bewusstseinsmanipulation nicht gern, ganz egal in welcher Form und zu welchem Zweck, deshalb bemühte er sich ernsthaft, nicht zu tief in Sophies Gedankenwelt einzutauchen. Leider war sie vollkommen ungeordnet, und Daniel bekam einen sehr viel intimeren Einblick, als ihm lieb war.
Fertig umgezogen wandte Sophie sich um. Sie entdeckte eine Papierserviette auf dem Boden, bückte sich danach und verspürte einen kurzen aber heftigen Schwindel im Kopf. Sie hielt ihn für den Vorboten einer Migräne, aber Daniel wusste es besser. So wie der Zwischenfall mit dem verschütteten Kaffee nicht der Ungeschicklichkeit der alten Dame auf Sitz 3 zuzuschreiben war, so handelte es sich auch hierbei um ein Symptom des vermutlich schon pennygroßen Tumors, der in Sophies Großhirn Raum forderte, wo keiner war.
Die Koordinationsstörungen kamen noch nicht häufig. Und der Schwindel ebbte jedes Mal schnell ab. Vermutlich deshalb dachte sie gar nicht daran, einen Arzt aufzusuchen. Stattdessen dachte sie an ihn. An Daniel. Die 16, wie sie ihn insgeheim nannte, obwohl ein Blick auf die Passagierliste ihre Neugier gezähmt und seinen Namen offenbart hatte.
Sophie griff nach einem Tablett und zog den Vorhang zurück, der die Boardküche von der ersten Klasse trennte. Keiner ihrer drei Passagiere hatte noch irgendetwas am Platz, was Sophie so kurz vor der Landung in Paris noch hätte abräumen können und sie wusste das.
Auf viel zu hohen Absätzen und trotzdem effektvoll tänzelte sie über den Gang, vorbei an der alten Dame, deren Bitte um einen weiteren Kaffee sie schlichtweg ignorierte. Sophie kam ohne Umwege zu ihm.
„Kann ich noch irgendetwas für Sie tun, Monsieur Miller?“
Ihr Puls beschleunigte sich, als er ihr Zwinkern mit einem Lächeln beantwortete. Das fiel ihm zunehmend schwerer, weil ihre Gedanken ungefiltert auf ihn einhagelten und allesamt mit ihm beschäftigt waren. Aber er war nicht der Draufgänger, für den sie ihn hielt. Er war nicht einmal gleichaltrig. Und sie nicht ebenbürtig.
Das Klicken der Leuchttäfelchen über den Sitzen krachte in ihren Ohren wie ein Startschuss. Landeanflug. Anschnallpflicht.
Das kam Sophie offensichtlich gelegen. Sie beugte sich vor, so weit, dass ihre Lippen beinahe seine berührten. Ihr Knie schob sich zwischen seine Beine. Daniel achtete darauf, nicht zurückzuweichen, während er ihr ein Visitenkärtchen in die Hand schob und ihrem Unterbewusstsein befahl, sich zu mäßigen.
„Komm in einer Stunde zu dieser Adresse, dort wirst du mich finden.“
Selbstverständlich war das Kärtchen mit nichts bedruckt, und selbstverständlich bemerkte Sophie weder diesen Umstand noch die Tatsache, dass er ihr auf mentalem Wege einflüsterte, wo sie zu erscheinen hatte.
Als er ihre Gedanken ein letztes Mal kontrollierte, biss er die Zähne zusammen. Sophie freute sich auf die Fortsetzung dieser Begegnung, während er für den Bruchteil einer Sekunde darum betete, sie würde ihm einfach widerstehen und auf diese Weise ihr Leben retten.
ZWEI
Seit Jahrzehnten hatte Daniel größere räumliche Distanzen nicht mehr auf die gleiche Weise überwunden wie die Normalsterblichen; etwa durch konventionelles Reisen. Zwar hätte er über die dafür benötigte Zeit sogar im Überfluss verfügt, eine Notwendigkeit für diese Art des Fortkommens bestand für ihn aber nicht. Für gewöhnlich. Diesmal war es anders, deshalb musste er ausnahmsweise das Gedränge im Flughafengebäude hinnehmen, allerdings beabsichtigte er, diesen Zustand schnellstmöglich zu beenden.
Vor den vorbeiströmenden Reisenden verbarg er sich, indem er ihre Gedanken manipulierte und ihnen befahl, seine physische Präsenz zu übersehen. Den Funksendern der umliegenden Überwachungskameras schickte er einen kurzen mentalen Impuls um die Übertragung zu stören, bevor er all die Teilchen, aus denen sein ungewandelter, übernatürlicher Körper bestand, auflöste und an einen anderen Ort teleportierte.
Das Apartment, in dem er sich schon im nächsten Augenblick rematerialisierte, war unbewohnt. Daniel ließ blickdichte Vorhänge vor den Fenstern entstehen, obwohl er nicht beabsichtigte, die Glühbirne zum Einsatz zu bringen, die in der Mitte des leeren Raums von der Decke hing. Seine Finger fühlten sich steif an, kalt und ungelenk, als er
sich im Dunkeln an eines der Fenster stellte und durch einen Spalt auf die aufgeräumte Innenstadt von Paris herunterblickte. Nichts erinnerte hier an den Jahreswechsel. Keine aufgeweichten Überreste verbrannter Feuerwerkskörper. Nur das Licht der Straßenlaternen, der Regen und die Nacht. Er schob die Hände in die Hosentaschen und wartete, bis das Taxi vor dem Haus hielt.
Da war sie also, die Flugbegleiterin. Dritte Etage, flüsterte er stumm und steuerte die Information unmittelbar in Sophies Bewusstsein. Gleichzeitig entfernte er das Mädchen aus der Erinnerung des Fahrers.
Daniel befahl zuerst der Haustür aufzuspringen, dann der Wohnungstür. Mit jeder Etage, die sie erklomm, wurden Sophies Schritte lauter. Ihr Parfum stärker. Es würde sich noch eine Weile in der Luft halten, selbst nachdem Daniel sie fortgebracht hatte. Er atmete durch und trat vom Fenster zurück.
„Alors, Daniel… hier bin ich.“
Ihre Augen glitzerten. Und obwohl der Ort, an den er sie gelockt hatte, kaum ihren Vorstellungen entsprechen konnte, spürte er in ihr nur Verwunderung. Da war keine Angst vor der Dunkelheit.
Daniel rührte sich nicht, befahl jedoch der Tür, sich hinter Sophie zu schließen. Ohne jede Vorwarnung und mit der gleichen Willenskraft, mit der er alles andere befehligte, verlangsamte er ihren Puls und begann, ihren Lungen behutsam die Luft abzuschnüren, um eine Bewusstlosigkeit zu forcieren. Dann ließ er ihren Körper langsam auf den staubigen Boden sinken. Noch schlug ihr Herz.
Daniel trat näher und streckte die Hand aus. Das Smartphone in ihrer Umhängetasche gehorchte und erhob sich daraus. Es strebte seiner Hand entgegen, als wäre es einverstanden mit der bevorstehenden Überprüfung, aber Daniel musste sich überwinden, um es aufzufangen.
Gut. Seit ihrer Ankunft in der Stadt hatte Sophie weder telefoniert noch Mitteilungen verschickt, das reduzierte die Gefahr möglicher Komplikationen. Daniels Fingerabdrücke auf ihrem Telefon verwischten, während es lautlos durch die Luft in ihre Handtasche zurückschwebte. Als nächstes erhob sich das Blankokärtchen daraus. Daniel steckte es ein.
Eine Weile stand er nur da, dann ließ er sich langsam auf den Boden nieder, neben seines Opfers bewusstlosen Körper. Er zog die Beine an, stützte den Kopf auf seine Knie und wartete, bis der richtige Zeitpunkt schon beinahe verstrichen war. Erst dann erhob er sich.
Das Mädchen würde auch ohne Überwachung im derzeitigen Zustand verharren, während er den unzähligen Vorbereitungen der vergangenen Tage einige abschließende hinzufügen müsste. Davon hing alles ab.
Er teleportierte nach London, in das Hinterzimmer des Antiquitätengeschäfts seines Goldschmieds, obwohl er durchaus wusste, dass der Normalsterbliche nach acht Uhr abends nicht mehr dort anzutreffen war. Nach all den Jahren war Flint gebrechlich geworden, infolgedessen ging er mittlerweile früh zu Bett. Daniel mutmaßte, dass der Mann seinen Auftrag nicht zeitnah zu beenden imstande sein würde. Ungeachtet dessen wollte er aber wenigstens sehen, wie die Arbeit voranschritt, doch als er an den Arbeitstisch des alten Goldschmieds trat, war er mehr als überrascht. Flint hatte nichts weiter getan, als die Steine aus ihrer Fassung zu entfernen. Neun Diamanten lagen inmitten des Goldschmiedewergzeugs auf der verschlissenen Unterlage verstreut, ebenso wie das in Stücke gebrochene Collier.
Daniel schluckte die Verblüffung herunter und fügte sich den Gegebenheiten. Es war damit zu rechnen gewesen, dass der Schmuck so bald noch nicht für die Vervollkommnung zur Verfügung stehen würde. Vorerst musste also er selbst das Schutzschild des Engelskindes bleiben. Solange, bis es ein neues Amulett bekam.
Daniel warf einen Blick auf sein Smartphone. Die Metro Paris Subway App bestätigte ihm, dass es langsam Zeit wurde, deshalb teleportierte er in die Dunkelheit derjenigen Straßenecke im Pariser Quartier Latin, von der aus sein Kontaktmann erfahrungsgemäß das Apartment des Engelskindes observierte. Daniel streckte seine Sinne aus und tastete die Gegend ab, bevor er seinen Körper einige Schritte entfernt von Mendez materialisierte.
Wo war der mysteriöse Anführer, der Daniel über Mittelsmänner mit einem Mord beauftragt hatte? Würde er dem Aufnahmeritus nicht beiwohnen, der für seinen Novizen vorbereitet worden war? Offensichtlich nicht, denn Daniel konnte die Präsenz eines dritten Umgewandelten neben seiner eigenen und Mendez´ nicht lokalisieren. Er biss die Zähne zusammen. Wer auch immer der Drahtzieher war, er war klug genug, sich fernzuhalten.
Mendez warf soeben einen Blick auf seine Armbanduhr. Stundenlanger Nieselregen hatte sein Haar und seine Kleidung durchnässt. Rinnsale flossen entlang der Straßengräben und plätscherten die Gullys hinab.
„Guten Abend.“ Daniel zwang sich zu lächeln. „Wartest du auf mich?“
Sein Kontaktmann fuhr herum.
„Miller! Was soll der Scheiß, wo warst du? Die Sache muss heute Nacht durchgezogen werden, also versau das nicht, Mann.“
„Sei unbesorgt.“
Daniel konnte die Schritte weicher Schuhsolen bereits hören. Sie näherten sich von der nahe gelegenen Metrostation, verlangsamten konstant ihre Geschwindigkeit und kamen schließlich wie erwartet zum Stillstand. Wie immer war es das Geräusch eines metallischen Klirrens, das nach einer Pause ein Weitergehen ankündigte.
Der Zeitspanne nach zu urteilen, die zwischen Stille und Metallklirren lag, war es sein Zielobjekt, das Engelskind, das wie gewohnt unter einer Straßenlaterne hinter der Ecke gestanden und nach dem Hausschlüssel gesucht hatte; Nika, die sterbliche Tochter seines alten Weggefährten Julian.
Sie brauchte immer gleich lange. Zu lange. Und sogar Mendez hätte sie mittlerweile bemerken müssen, wenngleich ausgestattet mit erbärmlich mageren Fähigkeiten, die kaum noch als übersinnlich zu bezeichnen waren. Offensichtlich wog die Verantwortung einer Operation wie dieser zu schwer auf seinen Schultern. Sein Kiefer knirschte vor Anspannung. Er funkelte Daniel wütend an.
„Ein Glück, dass du die Braut nicht schon verpasst hast, Alter. Der Chef hat gesagt, sie kommt immer gegen ein Uhr zurück. Es ist gleich eins!“
„Und ich bin hier.“
„Klugscheißer.“
Wieder lächelte Daniel, und diesmal fiel ihm das sogar leicht. Mendez zu täuschen würde ein Kinderspiel werden, und nicht nur, weil die verunreinigte, vermenschlichte Essenz, mit der der Strohkopf umgewandelt worden war, nichts anderes zuließ.
Daniel begann, Mendez´ Wahrnehmung zu verschatten. Nur solange, bis Nika in die Straße einbog, die Treppenstufen zur Haustür hochlief, aufschloss und, nachdem sie das dritte Stockwerk erreicht hatte, in ihrem Apartment verschwand. Dann ließ Daniel das Licht im Treppenhaus erlöschen und gab den Verstand seines vermeintlichen Spießgesellen wieder frei. Mendez blinzelte kurz und sah sich hastig um.
„Jetzt steh hier nicht rum, Miller. Sie wird jeden Moment aufkreuzen, also mach dich klar, Mann.“
„Ich bin ja dabei.“ Wieder drang Daniel in das Bewusstsein des Anderen. Diesmal nistete er Nikas Bild hinein. Er ließ Mendez sehen, dass sie die Straße heraufkam und vor der observierten Haustür stehen bleib, fast genauso, wie es sich ein paar Sekunden zuvor tatsächlich ereignet hatte. Nur, dass Daniel dem sterblichen Engelskind in Wirklichkeit keinesfalls auch nur ein Haar krümmen würde.
Mendez´ Herzfrequenz erhöhte sich. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, als er zu beobachten glaubte, wie Daniel an Nika herantrat, sie packte, ein Messer aufblitzen ließ und es in ihren Hals stieß, bevor auch nur ein Schrei die Stille durchbrach.
Aber Daniels Herzfrequenz beschleunigte sich ebenfalls, denn sein Auftritt war noch nicht beendet. Nur für den Bruchteil einer Sekunde teleportierte er in die Wohnung, in der der bewusstlose Körper der Flugbegleiterin lag. Er hob ihn hoch und kehrte damit an den Ort zurück, der faktisch erst in Kürze ein Tatort werden würde. Gleichzeitig löste er die Materie der Vorhänge an den Fenstern der nun wieder verlassenen Wohnung auf und ließ den Staub verwirbeln.
Mendez hatte Daniels Verschwinden nicht bemerkt. Kaum jemand hätte das vermocht. Und immer noch spürte Daniel keine unerwartete oder fremde Präsenz in der Umgebung. Sein Auftraggeber war also tatsächlich nicht erschienen, was bedeutete, dass Daniel keine Wahl blieb.
Er ließ Sophie, die er sein Opfer zu werden auserkoren hatte, auf die oberste Stufe vor dem Hauseingang gleiten und ging vor ihr auf die Knie, um Mendez die Sicht zu versperren. Er atmete durch. Er hatte noch nie, niemals jemanden getötet. Nicht ein einziges, lebendes Wesen in 116 Jahren. Jetzt war es soweit.
Er musste das wiederholen, was er in Mendez´ manipulierter Beobachtung bereits getan hatte. Doch diesmal mit Sophie. Und für sie materialisierte Daniel ein ganz reales Küchenmesser in seiner Hand. © Text Youya Yo
 
Frage: Womit soll die Flugbegleiterin Sophie ermordet werden?
 
Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de(Betreff: 29. Türchen plus heutiges Datum) Einsendeschluss ist um Mitternacht. Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und per Email benachrichtigt.
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Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 28

 
Heute könnt ihr das Buch „Taliel – Erwachen“ von Sascha und Claudia Schröder gewinnen!
 
 
Kurzbeschreibung:
Cathryne Bennett ist Schülerin einer Privatschule in London. Aber sie kommt mit dem Leistungsdruck nicht klar. Auch die Tatsache, dass sie niemanden hat, mit dem sie reden kann, nagt an ihr. Das ändert sich erst, als zwei neue Schülerinnen in ihre Klasse kommen. Die beiden sind so verschieden wie Tag und Nacht, doch beide geben Cathryne das Gefühl, endlich wieder Freunde zu haben. Aber eine von ihnen treibt ein falsches Spiel, während die andere ihr hilft, ihre wahre Bestimmung zu finden und zu erfüllen …
Sascha und Claudia Schröder
 
Leseprobe aus dem Buch „Taliel – Erwachen“ Genre: Fantasy Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch und kindle edition Außerdem findet ihr auf der Homepage der Autoren alle Infos zum Buch
 
Leseprobe
Schweißgebadet erwachte Cathryne. Ihr Herz raste. Mit ihrem Shirt wischte sie sich die Tropfen aus dem Gesicht.
Dann blickte sie auf die Uhr. Sie hatte eine halbe Stunde geschlafen.
»Was war das denn?«, keuchte sie fassungslos.
Zitternd stand sie auf. Sie schwankte zur Tür und drückte die Klinke herunter. Im Flur hörte sie ihre Mutter mit jemandem sprechen.
»Gerne, komm herein, ich werde sie holen.«
»Vielen Dank Mrs. Bennett«, hörte Cathryne jemanden sagen. Kurz darauf rief ihre Mutter nach ihr.
Schnell zog sie sich etwas über und stieg vorsichtig und sichtlich aufgewühlt die Treppen herab.
Im Wohnzimmer angekommen sah sie, wen ihre Mutter hereingebeten hatte.
»Stella? Was machst du denn hier?«
»Ach, ich dachte, ich sehe mal nach dir. Du sahst heute in der Schule nicht ganz fit aus. Außerdem möchte ich den ausgefallenen Stadtbummel wieder gut machen.«
Cathryne war überrascht. »Danke, das ist nett von dir.«
Sie bat Stella, ihr in ihr Zimmer zu folgen.
»Du hast es dir ja nett eingerichtet«, stellte Stella beeindruckt fest.
»Ich fühle mich wohl«, entgegnete Cathryne.
»Erzähl schon, was habt ihr heute Nachmittag gemacht?«, wollte sie wissen.
»Nicht viel. Die meiste Zeit haben wir in einem Esoterik-Laden verbracht.«
Stella grinste.
»Das dachte ich mir. Was soll man von so einer wie Lily auch schon erwarten? Sie hat halt nur ihr Magiezeug im Kopf.«
»Es war ja okay. Es ist nun einmal ihre Leidenschaft. Das habe ich zu akzeptieren.«
»Ich an deiner Stelle hätte mich auf so einen Schwachsinn gar nicht erst eingelassen. Wenn du mich fragst, hat Lily eindeutig einen Dachschaden.«
»Das kannst du so nicht sagen«, erwiderte Cathryne.
»Ich finde sie nett. Sie ist vielleicht ein wenig merkwürdig, aber sehr liebenswert.«
Stellas Augen funkelten.
»Du findest sie nett? Na, toll, noch so eine, die demnächst auf einem Besen reitet.«
Cathryne sah Stella fassungslos an. Was war nur los mit ihr? Sie wollte sich nicht streiten. Aber die Vorwürfe von Stella konnte sie nicht so im Raum stehen lassen.
»Nur weil ich sie nett finde, heißt es nicht, dass ich ihre Hobbys teilen muss. Im Übrigen hat mir auch etwas geschenkt.«
»Was denn? Einen Zauberstab?«
»Nein, diesen Anhänger.«
Cathryne holte das Amulett unter ihrer Bluse hervor.
Stellas Augen weiteten sich. Erkannte Cathryne Entsetzen in Stellas Blick?
»Nimm das sofort ab!«, forderte Stella.
»Warum?«
»Du weißt nicht, wofür es gut ist. Vielleicht belegt sie dich mit einem Fluch!«
»Schwachsinn. Lily meinte, dass es mich beschützen würde. Warum sollte ich ihr nicht glauben?«
»Los, nimm es ab«, sagte Stella nachdrücklich und griff nach dem Pentagrammanhänger. »Dieses Symbol steht für den Teufel. Du willst doch nichts mit ihm zu tun haben, oder?«
Stella hatte den Anhänger in ihrer Hand und zog daran.
»Lass los«, befahl Cathryne. »Du tust mir weh!”
Noch bevor Stella ein weiteres Mal an dem Amulett ziehen konnte, ließ sie es urplötzlich los. Sie rieb ihre Hand, als hätte sie sich an dem Anhänger verletzt.
»Schön«, sagte sie. »Behalt ihn um. Du wirst noch sehen, was es dir bringt.«
Stella lehnte sich an den Schreibtisch.
»Wollen wir noch irgendwas machen?«
»Was denn?«, fragte Cathryne.
»Keine Ahnung. Eine DVD schauen? Ich hab welche in meiner Tasche. Das hatte ich mir als Entschuldigung für heute Nachmittag überlegt.«
»Klar, warum nicht. Komm mit ins Wohnzimmer.«
Was war geschehen? Von einer Sekunde auf die andere war die feindselige Art in Gleichgültigkeit umgeschlagen. Stella benahm sich, als wäre überhaupt nichts geschehen. Merkwürdig, dachte Cathryne.
In Gedanken war sie jedoch schon beim gemeinsamen DVD-Abend. Vielleicht könnte sie sich so von den seltsamen Geschehnissen ablenken.
»Cathryne?« Stellas Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Ihr Tonfall signalisierte, dass sie offenbar schon mehrmals Cathrynes Namen gerufen hatte.
»Was?«, fragte sie verwirrt.
»Welchen Film wollen wir uns ansehen.«
»Oh«, machte Cathryne. »Such du einen aus. Du kannst auch unsere Sammlung durchsuchen.” Cathryne deutete auf den Wohnzimmerschrank, den Stella daraufhin eifrig durchstöberte.
»Ich wünsche euch viel Spaß«, sagte Melissa, die inzwischen die Küche verlassen hatte, und sich gerade eine Jacke anzog.
»Oh«, machte Cathryne. »Stimmt ja, du hast doch heute Abend diese Einzelhandelsversammlung. Das habe ich völlig vergessen.«
Melissa verabschiedete sich von der Runde und war schon zur Tür hinaus.
Stella hatte gerade zwei Filme in die nähere Auswahl genommen, da klingelte es an der Tür.
»Ich mach schon auf«, sagte Cathryne. Hatte ihre Mutter etwas vergessen? Schwungvoll öffnete sie die Haustür. Vor ihr stand jedoch nicht Melissa. Es war Lily. Sie trug eine Röhrenjeans und dunkelblaue Sneakers.
»Lily? Wie … ich meine, was machst du denn hier?«
»Cathryne, ich muss dringend mit dir sprechen!«
»Ich glaube, ich verstehe nicht ganz.«
»Darf ich reinkommen.« Ohne abzuwarten, drängte sich Lily an Cathryne vorbei. Sie verhielt sich merkwürdig. Was hatte das zu bedeuten?
Lily stürmte ins Wohnzimmer. Als sie jedoch Stella sah, blieb sie bleich auf der Stelle stehen.
»Hallo Lily«, sagte Stella lächelnd.
»Was willst du hier?«, fragte Lily. »Hey, ich dulde keinen Streit in meinem Haus. Ich weiß, ihr mögt euch nicht, aber lasst uns bitte heute Abend einen ruhigen Abend verbringen.«
»Solange die nicht schon wieder mit irgendwelchem Esoterikkram anfängt, sehe ich kein Problem.«
»Stella«, fauchte Cathryne.
»Ist schon okay«, wandte Lily ein. »Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden.«
Stella setzte ein süffisantes Lächeln auf und wandte sich wieder den DVD-Hüllen in ihrer Hand zu.
»Also, machen wir uns gemeinsam einen kuscheligen Abend«, murmelte Lily und ließ sich aufs Sofa fallen.
»Davon habe ich schon immer geträumt«, sagte Stella schnippisch.
Aber Stella und Lily konnten sich nicht auf den Film konzentrieren. Während Stella gegen die Müdigkeit ankämpfte, rutschte Lily ungeduldig hin und her. Einzig Cathryne war vollkommen in die Geschichte vertieft. Erst ein lauter Knall brachte sie wieder in die Realität. »Was war das?«, fragte sie erschrocken.
»Bestimmt ist irgendetwas umgefallen«, sagte Lily beschwichtigend.
»Aber im ersten Stock ist niemand«, sagte Cathryne unsicher. »Oder doch?«
Lily erhob sich. »So hat es damals bei mir auch angefangen. Wir dürfen jetzt keine Angst zeigen. Lasst uns einfach nachsehen!«
Cathryne stürmte voran. In ihrem Kopf ging sie jede Möglichkeit durch, die diesen Knall verursacht haben konnte.
»Drei Leute, fünf Türen«, bemerkte Stella. »Cathryne, du rechts, ich links. Lily, du die Tür am Ende des Ganges.«
Beide nickten zustimmend.
Stella öffnete furchtlos die erste Tür. Sie glaubte nicht an Geister und sollte sich ein Einbrecher im Haus befinden, würde sie sich zu wehren wissen.
Hinter der Tür befand sich offenbar das Büro von Cathrynes Mutter. Berge von Akten, Ordnern und Mappen stapelten sich auf dem nussbraunen Schreibtisch. Der Computer war beinahe vollständig mit Unterlagen bedeckt. Doch auf dem Boden konnte sie nichts entdecken.
Auch das Badezimmer sah vollkommen unberührt aus. Sie tippte darauf, dass das hier Cathrynes Reich war. Bürsten und Kämme lagen kreuz und quer in einem kleinen Korb. Zwischen ihnen Spangen, Haarnadeln und Gummis. Der Spiegel wies Wasserflecken auf und auch der Boden aus poliertem Granit hatte eine Reinigung dringend nötig. »Besonders ordentlich ist sie nicht«, murmelte Stella.
Cathryne war hingegen von Angst erfüllt. Mit jedem Schritt schien ihr Herz schneller zu schlagen. Mehrmals wurde ihr schwarz vor Augen. Sie hatte Mühe, sich auf ihre Atmung zu konzentrieren und musste gegen ihre Angst ankämpfen. Um ihre Furcht zu lindern, wollte sie die Lampe im Flur einschalten, doch sie glimmte nur kurz auf, bevor die Glühbirne ausbrannte. Bitte nicht, dachte sie. Also musste sie sich durch das Halbdunkel des Flurs tasten. Erleichtert erreichte sie die erste Tür. Ihre Hände waren schweißnass und sie zuckte zusammen, als sie das kalte Metall der Klinke berührte. Zutiefst verängstigt öffnete sie die Tür zu dem Atelier ihrer Mutter. Die Scharniere knarzten, sodass Cathryne erschrocken zurückwich. Sie musste sich zwingen, den Raum zu betreten.
Seit einigen Monaten versuchte sie sich am Modedesign. Zwar war ihr der große Wurf noch nicht gelungen, aber im Gegensatz zu ihren ersten Entwürfen sahen die Kleider, die sie nun an den Schneiderpuppen entdeckte, schon großartig aus. Ein wenig Feinschliff würde ihnen trotzdem gut tun, dachte Cathryne, um ihre Angst zu unterdrücken. Vielleicht sollte sie ihre Mutter unterstützen.
Doch auch in diesem Raum sah alles so aus, wie es aussehen sollte.
Der nächste Raum war im Zwielicht noch unheimlicher. Cathrynes Atmung war mittlerweile nur noch ein Keuchen. Sie befand sich in der Bibliothek des Hauses. Hier hatte Cathryne alle Bücher mehr oder weniger endgelagert, die sie zwar nie wieder würden lesen wollen, die aber dennoch zu schade waren, sie wegzugeben. Die Wände waren mit deckenhohen Regalen bestückt, welche bis auf wenige Regalböden prallgefüllt waren. In der Mitte stand ein Holztisch mit einer Leselampe, in einer Ecke des
Raumes befand sich ein, wie Cathryne fand, kuscheliger Ohrensessel, den sie nur zu gern in ihrem Zimmer gehabt hätte. Bisher hatte sich ihre Mutter jedoch strikt dagegen geweigert. Sie sah sich um, doch nicht ein einziges Buch hatte sich auch nur einen Millimeter bewegt. Einerseits war sie erleichtert. Doch wenn das Geräusch auch nicht von hier kam, bedeutete dass… Auf dem Flur prallte sie fast mit Stella zusammen. Cathryne schrie erschrocken auf. Stella legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.
»Ich bin’s nur«, sagte Stella.
»Bisher nichts. Und bei dir?«, fragte sie ihre Mitschülerin. Stella schüttelte den Kopf. »Nein. Aber ich frage mich, was Lily so lange in dem Zimmer am Ende des Flurs macht.«
»Das ist mein Zimmer«, bemerkte Cathryne. »Aber ich gebe dir recht. Das ist merkwürdig. So groß ist das Zimmer nun auch wieder nicht.« Stella musste Cathryne stützen, die nun vor Furcht wie gelähmt war.
Wieder ging Cathryne im Kopf durch, was den Lärm verursacht haben könnte. Es gab eigentlich nichts, das hätte umfallen können. War das Bett zusammengefallen?
Mit zitternden Fingern öffnete sie die Tür.
»Lily, ist alles in Ordnung?«, fragte sie in den Raum hinein.
Das junge Mädchen saß inmitten des Raumes mit dem Rücken zur Tür auf einem Stuhl. »Lily?«
Aber sie reagierte nicht. Cathryne trat vorsichtig näher. Sie zitterte am ganzen Leib. Ihr Hals war trocken, ihre Stimme nicht mehr als ein Wispern. Stella blieb an der Tür stehen. Offenbar war ihr die Situation nicht geheuer.
Cathryne schritt um den Stuhl herum. Lilys Blick war starr auf das Fenster gerichtet. Ihre Augen waren leer. Cathryne konnte sehen, dass ihr Geist nicht in ihrem Körper war.
»Was hast du? Was ist passiert?«
Mühsam begann sie zu sprechen. »Es ist … alles in Ordnung. Es wird bald alles wieder gut …«
Cathrynes Panik drohte, die Oberhand zu gewinnen.
»Bitte Lily, komm wieder zu dir.«
Doch Lily legte den Kopf von einer Seite auf die andere und summte eine Melodie, die Cathryne unbekannt war.
Cathryne legte ihre Hand auf Lilys Schulter. »Komm, lass uns wieder nach unten gehen.« Sanft zog Cathryne sie zu sich. Plötzlich zuckte Lily zusammen und schlug um sich. »Nein. Nein, nein. Du begreifst gar nichts. Ich kann nicht gehen. Ich gehöre hier hin. Ich war … Ich bin … nein … nie … hier …«
Cathryne wich den Schlägen aus. »Was zum Teufel ist mit ihr los?«, schrie sie ängstlich
Nun griff Stella ein. Sie trat hinter Lily und hielt sie fest.
Lily wehrte sich mit aller Kraft gegen ihre Mitschülerin.
»Hey«, sagte Cathryne, als sie sich völlig verängstigt näherte. »Was ist los?«
»Offenbar ist sie in einer Art Trance oder sowas«, keuchte Stella, die überraschenderweise große Mühe hatte, dieses kleine, zierliche Mädchen unter Kontrolle zu bekommen.
»Ich …«, stotterte Cathryne. »Es tut mir leid, aber ich habe wohl keine andere Wahl.« Mit diesen Worten holte sie aus und verpasste Lily eine Ohrfeige. Das wirkte. Lily blinzelte zweimal und rieb sich die Wange. »Was ist passiert?«, fragte sie verwundert.
»Kann ich dich wieder loslassen?«, fragte Stella. Lily nickte schwach. Sie sah sich um.
»Wie …«
»Kommt mit, wir gehen erst einmal wieder runter. Hier oben stimmt irgendetwas nicht.«
Gemeinsam kehrten sie ins Wohnzimmer zurück, wobei Lily sich auf Stella stützte.
»Was ist in meinem Zimmer passiert?«, wollte Cathryne wissen.
»Ich habe keine Ahnung. Ich habe dein Zimmer betreten und mich umgesehen, aber nichts Ungewöhnliches gefunden. Als ich gerade wieder gehen wollte, wurde mir schwindelig. Und dann …«
Sie senkte den Kopf. »Filmriss. Ich weiß nicht, was dann passiert ist. Mir wurde schwarz vor Augen. Und das Nächste woran ich mich erinnern kann ist, dass du vor mir standest und meine Wange wehtat.«
»Ich musste dir leider eine Ohrfeige geben, es tut mir leid.«
Lily starrte zu Boden. »Ich habe … eine Stimme gehört.«
»Eine Stimme?«
»Ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Als ich dein Zimmer betreten habe, habe ich eine Stimme gehört. Ich habe nicht verstanden, was sie gesagt hat, aber …«
Sie schüttelte sich. »Nein, sie hat gesagt, dass sie dich beschützen wird, Cathryne. Ich glaube, nein, ich bin davon überzeugt, dass in diesem Haus ein Geist wohnt. Glaube mir, ich habe Erfahrung damit. Ich habe dir doch erzählt, dass es in unserem Haus auch gespukt hat.« In Lilys Stimme lag keinerlei Aufregung. Sie sprach, als würde sie von einem Südseeurlaub erzählen.
»Selbst wenn ein Geist hier wohnt, was will er dann von mir? Was hat er hier verloren.«
»Das müssen wir herausfinden. Ich schlage vor, dass wir Kontakt zu ihm aufnehmen! Das habe ich damals auch gemacht und kurze Zeit später hörte der Spuk auf.«
Stella winkte ab. »Na klar, warum rufen wir nicht gleich die Ghostbusters an?«
Lily ignorierte ihren Satz und schrieb das Alphabet auf ein Blatt Papier. Dann nahm sich sie ein Glas und drehte es um.
»Gläserrücken? Ist das dein Ernst?«, fragte Stella ungläubig, ehe sie in schallendes Gelächter ausbrach.
»Wenn du nicht daran glaubst, schön. Deine Sache. Aber ich bin davon überzeugt, dass
wir das Richtige tun.«
Lily begann damit, alle Lichter zu löschen. Das Haus versank im Dunkel der Nacht. Nur eine Kerze, die Lily auf den Tisch gestellt hatte, spendete etwas Licht.
»Was ist jetzt?«, fragte Lily an Stella gerichtet.
Sie zögerte. Was sollte passieren? Sie glaubte schließlich nicht an Geister. Irgendwie hatte sie aber das Gefühl, dass sich dies bald ändern würde. Ihr Kopf weigerte sich.
Cathryne und Lily hatten am Tisch Platz genommen.
»Machst du nun mit?«
Sie seufzte.
»Okay, ich mache mit, aber nur aus Freundschaft zu Cathryne.«
»Gut.«
Cathryne zögerte. »Ich habe ein ungutes Gefühl dabei.«
»Keine Angst. Der Geist kann dir nichts tun.«
»Aber dich hat er …« Lily schüttelte den Kopf. »Diesmal bin ich vorbereitet. Ich beschütze dich, egal was kommt.«
Sie legten jeder einen Finger auf das Glas. Lily schloss die Augen. »Ich rufe den Geist, der sich meines Körpers bemächtigt hat. Wir wollen dir helfen. Wie ist dein Name?«
Das Glas rührte sich nicht. »Habe ich doch gewusst«, grinste Stella hastig. »Alles Humbug.«
Wie um sie eines Besseren zu belehren, versetzte es ihr einen Schlag in die Magengrube. Stella stöhnte.
»Stella«, schrie Cathryne auf. Das Mädchen krümmte sich und keuchte.
Ein kalter Hauch umgab sie und zog nun auch zu Cathryne herüber.
»Verdammt«, fluchte sie leise. Ihr Finger ruhte jedoch noch immer auf dem Glas.
»Ich rufe dich«, fuhr Lily unbeirrt fort. »Komm in unsere Mitte. Du, der du Cathryne beschützen willst, wie ist dein Name.«
Das Glas vibrierte unter ihren Fingern. Cathryne musste sich einen Aufschrei verkneifen. Unter ihren Fingern zuckte es einige Male unkontrolliert umher, ehe es zielsicher in eine Richtung glitt.
»T«, sagte Lily. Das Glas wanderte weiter.
»A … L … I …«
Cathrynes Herz raste. Die Welt um sie herum drehte sich, ehe sie bewusstlos vom Stuhl kippte. © Text Sascha und Claudia Schröder
 
Frage: Wen will Stella rufen?
Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de(Betreff: 28. Türchen plus heutiges Datum) Einsendeschluss ist um Mitternacht. Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und per Email benachrichtigt.
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Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 27

 
Heute könnt ihr das Buch „Gefangen in den Träumen des Traummeisters“ von Alex P. Jandra gewinnen!
 
 
Kurzbeschreibung:
Gefangen in den Träumen eines schlafenden Gottes sind Marco und Marcia zusammen mit anderen Wesen aus fremden Universen. Um sich zu befreien, müssen sie den Traummeister wecken – oder sterben. Welten liegen auf ihrem Weg zum Schlafenden – Traumwelten. Gefährliche Welten, feindliche Welten – und auch friedliche Welten. Oft ist aber dieser Frieden nur Trug… Tod verfolgt die Suchenden auf Schritt und Tritt und lauert überall. Die Suchenden aber leben, lieben – und kämpfen. Tor für Tor, Tag für Tag – ein Abenteuer auf Leben und Tod! Spannend und ergreifend ist dieses Buch. Es hält den Leser atemlos und weckt Lust auf mehr!
Alex P. Jandra
 
Leseprobe aus dem Buch „Gefangen in den Träumen des Traummeisters“ Genre: Fantasy Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition Außerdem findet ihr auf der Homepage des Marmilin Verlags alle Infos zum Buch
 
Leseprobe
Die Gruppe hatte gerade in der Küche Platz genommen, um den morgendlichen Hunger zu bekämpfen, als jemand an ihre Tür klopfte. Da die Sucher zögerten, öffnete sich diese plötzlich von allein und gab die Sicht auf eine ungeduldige Tigerschlange frei. >>Wie zum Henker …. ?<< Marco brach seine Frage ab, da ihr Besuch zu sprechen begann. >>Hier das zweite Rätsel, hört genau zu. Wogegen fällt jeder, wenn er hinfällt?<<
Wie schon am Tag zuvor wartete das Wesen nicht auf Applaus oder sonstige Regungen der Gruppe, sondern zog sich sofort wieder zurück. >>Die ist ja drauf wie das weiße Kaninchen, keine Zeit, keine Zeit<<, spottete Marco. >>Vielleicht will sie uns nicht näher kennen lernen, falls sie später jemanden töten muss<<, war Marcias scheinbar verständnisvolle Meinung. >>Und? Kennt jemand die heutige Lösung?<<, fragte Marco und bekam nur ratlose Blicke und Schulterzucken zur Antwort. >Na ja<, dachte er, >dann bin ich ja einen vor<, und machte ein „Wird schon werden-Gesicht“ für die Anderen.
Selbst Marco und Marcia verbrachten den Tag meist getrennt. Auch wenn es keiner zugegeben hätte, so hoffte doch jeder auf eine Eingebung um nicht zu den Todeskandidaten zu gehören. Denn an Alternativen gab es nur diese zwei: Kampf oder rechtzeitiges Verlassen des Waldes, obwohl diese Option schwierig zu bewerkstelligen war. Irgendwie sorgte die Situation dafür, dass (zumindest mental) alle zu Einzelkämpfern wurden.
Marco saß an einen Baum gelehnt direkt gegenüber der Tür und versuchte verzweifelt, sich über seine wahren Gefühle und die derzeitige Situation klar zu werden. Warum versuchten sie nicht einfach, dieses Monstrum zu töten? Es machte zwar einen gefährlichen Eindruck, aber lieber im Kampf draufgehen als hingerichtet zu werden, weil man ein Rätsel nicht lösen konnte! Dazu die Nachricht von Marcias eventueller Schwangerschaft, deren Verursacher er vielleicht gar nicht war. Das war zu viel für seinen Kopf.
Auch in dieser Nacht gab es nur einen einfachen Kuss, dann lagen sie zwar nebeneinander, aber allein mit ihren Gedanken und Gefühlen. © Text Alex P. Jandra
 
Frage: Also wogegen fällt jeder, wenn er hinfällt?
 
Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de(Betreff: 27. Türchen plus heutiges Datum) Einsendeschluss ist um Mitternacht. Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und per Email benachrichtigt.
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Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 26

 
Heute könnt ihr das Buch „Highland Warrior – Caileans Fluch (1)“ von Savannah Davis gewinnen!
 
 
 
Kurzbeschreibung:
Sie sind die Highland Warrior, erschaffen, um die Kinder Danus vor ihren Feinden zu schützen. Tapfere Krieger, im Dienste einer Göttin. (Mit erotisch-romantischen Liebesszenen.) Auf dem unsterblichen Highland-Krieger Cailean MacLean lastet ein Fluch, der ihn dazu zwingt, die Wünsche einer jeden Frau zu erfüllen. Als Airmed, die Herrin über die Lichtelfen und Schwester der Göttin Danu, sich von ihm wünscht, ihr Amber Connell zu bringen, hat er keine andere Wahl. Er verlässt Anwynn und reist in die Menschenwelt, um Amber zu entführen. Doch die junge Frau ist gar nicht begeistert, in eine schottische Burg verschleppt zu werden. Für Amber beginnt nicht nur ein Kampf um das eigene Leben sondern auch eine Reise in die Highlands des 18. Jahrhunderts, denn in Anwynn steht die Zeit still. „Mit Erstaunen betrachtete Amber die grauen Steinmauern, die sich vor ihr erhoben. Noch vor wenigen Minuten war von dieser Burg nicht mehr übrig gewesen, als ein paar zerfallene Wände. Jetzt stand sie hier, reckte sich dem Himmel entgegen, wirkte wie ein Bollwerk, das uneinnehmbar war. Zwei hohe Türme überragten zinnenbewehrte Wände. Ein schmaler Weg führte den Hügel hinauf, auf dem die
Festung stand. Sie konnte das Meer riechen und die Brandung hören und jetzt, da sie näher kamen, sah Amber, dass die Burg auf einer Klippe stand und sich stolz über dem tosenden Wasser erhob. Sie ritten auf ein offenes Tor zu. Sobald sie den Innenhof erreicht hatten, stürmten Menschen von allen Seiten herbei und redeten aufgeregt im kehligen Gälisch aufeinander ein. Sie alle trugen einfache bäuerliche Kleidung, die wirkte, als stamme sie aus einem lange vergangenen Jahrhundert. Der Innenhof war mit Kopfsteinen gepflastert. Es gab mehrere kleine Gebäude, Stallungen und Unterstände. Amber schätzte, dass die gesamte Anlage etwa die Größe von fünf Fußballfeldern haben musste. Ein paar Kinder spielten mit einem Lederfußball und es schien Amber, als würde der Ball hier gar nicht her passen. Ein schwarzer Hund kläffte und kam schwanzwedelnd auf das Pferd zu. Alle hielten in dem, was sie gerade taten inne; eine Frau in einem langen, wollenen Kleid, ein Plaid über ihren Schultern, sah sich um und stellte einen Holzeimer auf die Erde, dann lief sie zu einer kleinen Seitentür und verschwand im Inneren der Festung.“
 
Savannah Davis
 
Leseprobe aus dem Buch „Highland Warrior – Caileans Fluch (1)“
Genre: Fantasy, Liebesromanze Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition
 
 
Leseprobe
Den Gestank nach Schimmel, Kot, Blut und Urin in dem feuchten Keller, nahm er längst nicht mehr wahr. Genauso wenig, wie er wahrnahm, wie die Tage kamen und gingen, wie lange er schon an das hölzerne Andreaskreuz gebunden war. Er hatte aufgehört zu zählen, wie oft man ihm Mahlzeiten brachte, wie oft er gewaschen wurde oder wie oft man ihn folterte. Nichts davon schien eine Regelmäßigkeit zu besitzen. Es passierte oder passierte nicht. Die meiste Zeit hing er nur hier, wartete darauf, dass seine Wunden heilten oder es nicht taten, starrte an die Decke und versuchte, die Schreie der anderen Gefangenen zu ignorieren.
Die zahlreichen Hieb- Stich- und Schnittwunden, die man ihm zugefügt hatte, spürte er längst nicht mehr. Was er nicht abschalten konnte, war die Schmach, die diese Folterer über ihn brachten, wenn sie ihre perversen Spiele mit ihm spielten. Von Scham erfüllt, wünschte er sich, die Sassenach würden ihn endlich umbringen. Und dann hoffte er wieder, er würde nicht sterben, denn das würde ihn um seine Rache bringen.
Schritte näherten sich. Sein Schicksal war schon schwer zu ertragen, wenn Lancaster, Kommandant über das Regiment, das nahe Inverness auf neue Marschbefehle wartete, sich allein mit ihm beschäftigte, aber da kamen mehrere Personen.
Cailean war gekommen, sich in Lancasters Zelt zu schleichen, und nach Kriegsplänen Ausschau zu halten. Dann hatte er den Fehler gemacht, eine Frau befreien zu wollen, die an einen der Stützpfähle gebunden war und aus zahlreichen Wunden blutete. Die Frau hatte geschrien, als er sich an ihren Fesseln zu schaffen gemacht hatte. Die Wachen hatten Cailean gefunden. Augenblicke später hatte er sich an diesem Kreuz wiedergefunden; nackt, mit der Brust an das Holz gelehnt, ein höhnisches Lachen in seinem Rücken. Seither hatte Lord Lancaster viele Male seinen Spaß mit ihm gehabt.
Das große Eisenschloss, das die Gittertür des Gefängniswagens verschloss, wurde geöffnet, der Riegel aufgezogen, dann wurde die schwere Holztür zu seiner Zelle aufgestoßen. Lancaster trat herein, gekleidet in den rotblauen Rock der Engländer. An seiner Seite hielt er die neunschwänzige Lederpeitsche mit der Cailean schon einige Male hatte Bekanntschaft machen dürfen. Hinter ihm traten mehrere Sassenachs ein, dem Anschein nach wichtige Männer. Angewidert wandte sich Cailean ab, den Blick stur auf die Holzdielen gerichtet. In den letzten Tagen hatte er gelernt, sein Gesicht regungslos zu lassen. Er wollte nicht, dass seine Peiniger seinen Schmerz sahen und sich daran ergötzen konnten. Meist machte sie das noch wütender und ihre perversen Spiele nahmen dann noch unfassbarere Gestalt an. Aber Cailean akzeptierte lieber das, als sie sehen zu lassen, dass er litt.
Lancaster trat an das Kreuz. Das Holz getränkt mit seinem Blut. Der Sassenach strich ihm mit den Fingernägeln geradezu zärtlich über Oberarme, Rücken und Oberschenkel. Cailean musste das Zittern unterdrücken, das der Ekel vor dieser Berührung in ihm wachrief. Lancaster trat um ihn herum und lächelte in Caileans Gesicht. Seine langen aschblonden Haare ruhten in einem Zopf auf seinem Rücken. Im Haarband steckten zwei Silbernadeln, so lang wie eine Männerhand. Er nahm eine davon heraus und rammte sie Cailean in einer schnellen Bewegung in den Unterarm. Cailean zuckte nicht einmal. Jede Art der Reaktion würde das Schwein nur erfreuen. Und Freude wollte er ihm nicht schenken. Lancaster zeigte keine Enttäuschung darüber. Er wusste schon,
dass Cailean nicht schreien würde. Nicht zu schreien, seinen Schmerz nicht zu zeigen, war das letzte bisschen Stolz, das Cailean noch geblieben war.
»Darf ich euch mein Spielzeug vorstellen?«, wisperte Lancaster auf die Art, von der er glaubte, dass es ihn gefährlich klingen ließ. In Cailean rief seine Stimme nur Ekel hervor. »Der Chief der MacLeans.« Er rammte ihm die zweite Nadel in die rechte Pobacke. Seine Hand strich langsam über Caileans andere Backe, dabei stieß er ein leises Stöhnen aus. Sein Gesicht näherte sich Caileans Ohr. »Du hast wahrlich den härtesten Arsch, den ich je ficken durfte.«
Seine Gäste lachten in Caileans Rücken, anscheinend kannten sie die Vorlieben des Lords. Cailean hatte keine Ahnung wie viele gekommen waren oder wer.
Lancaster stellte sich direkt hinter Cailean, er griff um ihn herum und nahm Caileans Hoden in eine Hand und drückte zu. Ihm blieb nur, den Atem anzuhalten und die Lippen fest aufeinander zu pressen, um nicht zu schreien. Übelkeit stieg in Cailean auf. Er kämpfte dagegen an, konzentrierte sich darauf, ihm keinen Grund zur Freude zu geben. Doch Freude hatte er trotzdem, sein harter Schaft unter dem Stoff seiner Uniformhose drückte sich gegen Caileans Hintern.
Lancaster rutschte ein Stück an ihm hoch und runter, rieb sich an Cailean. Dieser Mann war annähernd so groß wie Cailean, aber bei Weitem nicht so stark gebaut. Sein Körper war schlacksig und dürr. Kein Mann, der je wirklich gekämpft hatte. Aber einer, der seine Macht auf diese Art präsentieren musste. Auch Cailean hatte schon Gefangene gefoltert, aber niemals hätte er sich an ihnen vergangen, eher hätte er sie getötet. Er hoffte, dass auch er bald getötet würde. Der Lord ließ sich von jemandem ein Messer reichen, setzte es Cailean an die Kehle.
»Wirst du jetzt dafür sorgen, dass dein Schwanz hart wird? Wir haben Gäste. Einige davon lieben es, bei meinen kleinen Spielen zuzusehen, und so ein Prachtstück von einem Kerl, gefickt von einem Mann, das gefällt ihnen besonders. Noch besser wäre aber, wenn du zeigen würdest, wie sehr dir das gefällt.« Der stinkende Alkoholatem des Lords wehte in Caileans Gesicht.
Cailean antwortete nicht. Er wusste, er würde ihn nicht töten, er hatte ihm schon zu oft damit gedroht und es nie getan. Das Messer an seiner Kehle konnte ihn nicht beeindrucken. Cailean würde nicht nachgeben, er würde all seine Kraft einsetzen, damit sein Schwanz blieb, was er war, schlaff. Es war ihm in den vergangenen Tagen schon passiert, dass sein Schaft annähernd härter geworden war, ohne dass Cailean etwas
dagegen hätte tun können. Doch dieses Mal würde er es nicht zulassen und wenn er sich die Zunge abbeißen musste, um es zu verhindern. Die Scham darüber, dass es passiert war, brachte ihn sowieso schon um, aber wenn es vor so vielen seiner Feinde passieren würde, dann würde er sich freiwillig das Leben nehmen. Er war ein Mann, der mit jeder Faser seines Körpers verrückt nach Frauen war, wie hatte ihm das passieren können?
Lancaster nahm das Messer von seiner Kehle, setzte es mit der Spitze auf Caileans Brust auf, dort, wo es sein Herz treffen würde, wenn er das Messer zwischen den Rippen hindurch stoßen würde. Sein harter Unterleib rieb noch immer gegen Caileans Hintern. »Vielleicht werde ich ihn dir erst in dem Mund schieben.« Er setzte die Klinge über Caileans Brust an und schnitt tief in seine Haut.
Reißender Schmerz jagte durch Cailean hindurch, ließ seinen Atem stocken. Warmes Blut lief über seinen Leib und tropfte von dort auf den Boden. Lancaster strich mit einem Finger über die offene Wunde und bohrte dann die Spitze tief in Caileans Fleisch.
Eine der Wachen trat an Caileans Fesseln und löste sie. Zitternd gaben Caileans Beine nach, er sank auf die Knie und keuchte. Die Wache stellte sich neben ihn und drückte ihm jetzt ihrerseits ein Messer an die Kehle. Ein weiterer Mann kam dazu und zwang Caileans Kiefer auseinander. Lancaster hatte zwischenzeitlich unter dem Gelächter der Zuschauer seinen Schwanz aus der Hose befreit. Die Finger an seinen Wangen bohrten sich tief in seine Kiefer und öffneten grob seinen Mund. Mit letzter Kraft versuchte Cailean sich zu wehren, aber die Foltern hatten ihren Tribut gefordert.
Lachend trat Lancaster näher, schob Cailean seinen erigierten Penis zwischen die Zähne. Erniedrigt schloss er die Augen. In den Fängen dieses Mannes hatte er schon unzählige finstere Stunden ertragen, aber jetzt vor Zeugen erreichte die Scham neue Dimensionen. Lancaster zog sein Schwert aus der Scheide und drückte die Spitze gegen Caileans Herz.
»Eine falsche Bewegung und es ist dein Ende.« Bei den Worten bewegte Lancaster seine Hüften und stieß in Caileans Mund. Galle stieg in ihm auf, aber da sein Magen leer war, kam nichts hoch. Trotz all des Ekels in ihm sah er Lancaster gleichgültig an. Sein Tod wäre eine Erlösung.
»Ich habe diesen Leuten hier eine Orgie versprochen. Sie alle dürfen sich an dir bedienen. Wenn du nicht mitmachst, kann ich mein Versprechen nicht einhalten. Und ich halte immer meine Versprechen«, sagte Lancaster und stöhnte genussvoll, er zog
seinen Schwanz zurück, strich mehrmals mit den Fingern daran entlang. Cailean würgte und spuckte Galle. Lachen aus mehreren Kehlen ertönte hinter ihm.
Lancasters Versprechen interessierten Cailean einen Scheißdreck. Und er würde nicht die Hure dieses Sassenach spielen. Sollte er doch selbst seinen verdammten Arsch hinhalten.
Er wandte sich einer Wache zu und in seinen Augen blitzte es. »Blas ihm einen! Du darfst dein Prachtstück dann auch in seinem Arsch versenken. Ich will, dass dieses Drecksteil endlich hochkommt.«
Jemand zerrte Cailean auf die Füße. Für einen winzigen Augenblick erlaubte er sich, die Augen zu schließen. Der Gedanke, dieses »Prachtstück« in sich zu spüren, hätte ihn fast einknicken lassen. Aber sein Stolz verbot es ihm. Er biss fest die Lippen zusammen, als er die rauen nassen Lippen der Wache auf seinem Fleisch spürte. Er verbot es sich, zu fühlen, was da unten mit ihm passierte. Sein Blick richtete sich auf die Gäste in seiner Zelle. Alles, was ihm von seinem Körper ablenken würde. Er musterte sie, erkannte keinen, aber er würde sich ihre Gesichter merken, für den Fall, dass er hier lebend herauskommen sollte.
Einer der Zuschauer fand die Darstellung wohl erregend genug, um Hand an sich selbst zu legen. Der rundliche rotgesichtige Mann umschloss seinen Schaft mit der Faust und stöhnte laut. Cailean sah angewidert weg.
Schmerz schoss durch ihn hindurch, als Lancaster ihm die Spitze seines Schwertes direkt über seinem Herzen in die Brust trieb, in die gleiche Stelle, die zuvor schon sein Messer gespürt hatte. Blitze zuckten hinter Caileans Lidern. Wenn sein Schwanz je vorgehabt hatte, sich zu erheben, war es jetzt vorbei damit.
»Lass ihn hochkommen, sagte ich«, drohte Lancaster und in seinen Augen blitzte die Wut. Der Lord drehte das Schwert in der Wunde. Es war nicht tief genug, um wirklich Schaden anzurichten, aber Cailean wollte das ändern. Er straffte sich und wollte sich weiter auf die Klinge schieben. Die Wachen hielten ihn zurück, und noch ehe Cailean genug Kraft hatte sammeln können, gegen sie anzukämpfen, hatte der Lord die Klinge aus seinem Körper gezogen.
Der Mann, der eben noch seinen Schaft bearbeitet hatte, verließ jetzt die Gruppe von fünf Zuschauern. Er blieb neben Cailean stehen.»Ich werd es dir zeigen, dreckiger Wilder. Du wirst vor mir knien und ich werde mich in deinen Arsch bohren und danach
wird jeder Einzelne in diesem Raum in den Genuss kommen, es dem Chieftain der MacLeans zu besorgen.«
Der fette Sassenach platzierte sich stöhnend hinter Cailean, die Wachen drückten ihn wieder auf die Knie. Ungerührt, mit hartem Blick sah Cailean den Männern vor ihm in die Augen. Sie würden keinen Schmerz in seinen sehen, nur das Versprechen auf qualvolle Rache.
© Text Savannah Davis
 
 
Frage: Wie wollte Cailean sich das Leben nehmen?
 
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Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 25

 
Heute könnt ihr das Buch oder eBook „Mea Suna ~ Seelensturm“ von Any Cherubim gewinnen!
 
 
Kurzbeschreibung:
Die junge Jade Lewis belauscht heimlich ein Gespräch ihres Onkels. Ihre 4 Minuten jüngere Schwester Amy soll in tödlicher Gefahr schweben. DER TALURI, ein eiskalter Killer, hat den Auftrag sie zu töten. Mutig beschließt Jade, für das Leben ihrer Schwester zu kämpfen und ist fest entschlossen, sich jeder Gefahr zu stellen. Als sie dem Taluri gegenübersteht, löst er verwirrende Emotionen in ihr aus. Kann Jade hinter das Geheimnis der Taluris blicken?
„Er war ein Taluri, gefährlich, stark und geheimnisvoll. Und obwohl mir klar war, dass er meine Schwester töten will, war ich fasziniert von ihm.“
Any Cherubim
 
Leseprobe aus dem Buch „Mea Suna ~ Seelensturm“ Genre: Fantasy Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition Außerdem findet ihr auf dem Blog der Autorin alle Infos zum Buch
 
 
Leseprobe
Prolog zu Mea Suna ~ Seelensturm Band 1
Ein leiser Piepton riss mich aus dem traumlosen Schlaf. Das dünne Leintuch hatte sich um mein Bein und um den schönen jungen Körper neben mir verheddert. Vorsichtig löste ich mich aus den Armen, die mich die ganze Nacht umschlungen hatten. Die Nacht war warm gewesen, und auch jetzt schon, in den ersten Morgenstunden, schien die Sonne erbarmungslos in mein Schlafzimmer. Der Deckenventilator kühlte die stickige Luft nicht ab, sondern wälzte sie nur. Doch dies war immer noch besser als Luft, die so dick war, dass man sie hätte schneiden können.
Die Nacht war nicht nur stickig, sondern auch heiß gewesen, … sehr heiß! Die Erinnerung löste ein befriedigendes Gefühl in mir aus. Ein kurzer Blick auf die Blondine und meine Lust war sofort wieder wach. Sie war schön, sie kannte ihre Reize und wusste sie auch gekonnt einzusetzen. Mit Erfolg hatte sie mich dazu gebracht, meine trüben und dunklen Gedanken zu vertreiben. Wobei ich mir nicht sicher war, ob der Tequila den größten Teil dazu beigetragen hatte.
Die Blondine stöhnte leise im Schlaf und drehte sich um, sodass ich ihren Rücken bewundern konnte. Sie gefiel mir, doch ihr Name war mir entfallen. Aber das war auch nicht so wichtig, denn spätestens nach dem Frühstück würde ich sie wahrscheinlich nicht mehr wieder sehen. Ich hatte sie letzte Nacht gebraucht, denn sie hatte mich vergessen lassen – zumindest für ein paar Stunden.
Der Piepton holte mich wieder aus meinen Gedanken. Ich wusste, was der Ton zu bedeuten hatte. Es war mein Job, der mich rief. Leise stand ich auf, zog mir nur eine Jeans über und verließ mein Schlafzimmer. Im Flur lagen ihre Unterwäsche, mein Hemd und ihre achtlos auf den Boden geworfenen restlichen Klamotten, wie ein kleiner Wegweiser verstreut. Beim Vorbeilaufen hob ich alles auf, warf es auf das weiße Ledersofa und ging durch eine Nebentür in mein Arbeitszimmer. Kühles Weiß und Schwarz dominierten die Einrichtung. Ein großer, massiver Schreibtisch stand in der
Mitte des Raumes. Mir gefiel schon immer die dunkle Eleganz und die klaren Linien an Möbelstücken. Lange hatte ich nach diesem großen Tisch gesucht, der schwer, robust und sehr alt war.
Mein Laptop schaltete sich ein, als ich mit meinem Zeigefinger über die Scannung fuhr und er meine Fingerdaten ablas. Das Handy leuchtete erneut auf, während mein Rechner startete. Ich wusste, auch ohne hinzusehen, wer mich zu sprechen wünschte. Es war eine Weile her, seit ich Kontakt mit Rom hatte. Das letzte Mal war er knapp gewesen. Mein bester Freund stand schon länger auf ihrer Abschussliste und auch wenn ich die Gesichter, die uns bezahlten, nicht alle kannte, wusste ich genau, dass sie keinen Spaß verstanden. Für meinen Geschmack sah Matteo das alles zu locker. Trotz meiner Warnungen amüsierte er sich mit Models, die für Schlagzeilen sorgten. Dadurch wurde sein Gesicht öfters in Boulevardzeitschriften abgelichtet und neugierige Presseleute fingen an zu recherchieren, was in unserem Job absolut verboten war. Wir hatten klare Regeln, die wir zu befolgen hatten. Ohne Fragen zu stellen, führten wir unsere Aufträge durch und hielten uns im Hintergrund. Wie unsichtbare Schatten, dazu waren wir ausgebildet worden.
Wie erwartet öffnete sich auf dem Bildschirm meines Computers ein Fenster mit der römischen Kennung. Sofort spürte ich das seltsame Gefühl, das mich seit einigen Monaten quälte. Ich wusste, dass die Ausschüttung von Gefühlen jeglicher Art für uns nicht möglich war, doch eindeutig identifizierte ich Schuld, Angst und Traurigkeit. Es war merkwürdig. Mein Leben lang dominierten Hass, Kälte und Gewissenlosigkeit. Etwas stimmte mit mir nicht. Doch bevor ich nicht herausgefunden hatte, was falsch lief oder was mit mir geschah, würde ich es für mich behalten müssen, denn sonst wäre mein Leben nicht mehr sicher.
»Guten Morgen, Luca. Wie geht es dir? Wir haben eine Weile nichts mehr voneinander gehört.«
Ich kannte diese Stimme schon viele Jahre. Das Gesicht auf dem Bildschirm vor mir war immer noch dasselbe. Ein kleiner, kahlköpfiger Mann mit eisblauen Augen lachte mich freundlich an. Ich kannte dieses Lächeln nur zu gut, um zu wissen, dass dahinter eine hässliche, hinterlistige Fratze steckte.
Die Übertragung des Bildes war besser als sonst. Rosig waren seine Wangen, doch das war eindeutig geschminkt, denn auf seiner linken Gesichtshälfte hatte er versucht, die große, lange Narbe zu überdecken und die restliche Haut wirkte grau und fahl. Ich grüßte ihn emotionslos zurück und hoffte, er würde bald zum Punkt kommen.
»Sag, geht es Matteo wieder gut?« Die Scheinheiligkeit in seiner Stimme ließ mich stocken. Sie wussten genau, dass Matteo eigentlich hätte tot sein müssen. Nur durch mein Versprechen, ihn und seinen Lebenswandel ruhiger zu halten, hatten sie davon abgesehen, ihn zu köpfen.
»Ihr wisst doch ganz genau, dass er noch einige Zeit brauchen wird, bis er wieder einsatzfähig ist.«
»Ja, ja … aber ist er sich auch bewusst, welches Risiko wir damit eingehen? Ich hoffe für ihn, dass er begriffen hat, was ein unsichtbarer Schatten bedeutet, sonst könnte auch dein Kopf in Gefahr sein, Luca. Und das wäre wirklich sehr schade, bei deinem Talent und Können«, grinste er falsch wie eine Natter. Ich hatte seine Drohung verstanden und wollte das Gespräch so schnell wie möglich beenden. Die Erinnerung an mein Versprechen verstärkte nur meine Kopfschmerzen.
»Was willst du, Rabas?« Sofort verschwand das hinterhältige Grinsen und seine Miene wurde ernst.
»Du bekommst einen neuen Auftrag und diesmal darfst du ihn nicht enttäuschen.«
Mir war sofort klar, von wem Rabas sprach. Er war mein Meister, mein Gönner, mein Richter und auch mein Todesurteil, wenn es ihm gefiel. Jeder kannte seinen wahren Namen und was noch erschreckender war, wir kannten alle seine Macht, die größer war als alles, was sich die Menschen jemals vorstellen konnten. Er war ein Gott, er entschied über Leben und Tod und nur seiner Gnade war es zu verdanken, dass Matteo noch am Leben war.
Roy Morgion war sein Name, der unter den Wissenden und unter den Ratsmitgliedern Furcht und Respekt versprach. Grausamkeit und Kälte waren die Attribute, die ihn auszeichneten. Härte und Disziplin hatte man uns gelehrt, Befehle ohne mit der Wimper zu zucken, auszuführen.
Genau diesen Auftrag musste ich nun nutzen, um Matteo wieder in ein besseres Licht zu rücken. Ein enttäuschendes Ergebnis kam für mich nicht infrage.
Emotionen und Gefühle empfinden wir nur für unsere Brüder, ansonsten waren und sind sie ein lästiges Gepäck in unserem Leben. Dafür gibt es einfach keinen Platz. Doch seit einigen Monaten waren Emotionen in mir, die ich nicht erklären konnte. Ich fühlte mich von ihnen verfolgt. Während ich sie tagsüber gut zu vertreiben wusste, drangen sie
nachts bis in meine Träume. Ich ließ mir nichts anmerken und ignorierte den Druck, der sich in meinem Magen aufbauen wollte.
»Wohin soll es diesmal gehen?«, fragte ich Rabas, der schon wieder grinste.
»Nach New York. Matteo wird dich begleiten. Eine Maori wird dir alle Informationen bringen.«
Ich nickte und dachte daran, wie schwer es das letzte Mal gewesen war, Matteo vor Morgion zu verteidigen. Diesmal würde ich nicht zulassen, dass er seinem Vergnügen nachging. Ich würde ihn an seinen Eid erinnern und ihn fürs Erste nicht aus den Augen lassen.
»Wann sollen wir aufbrechen?«
»Morgen früh. Er erwartet einen regelmäßigen Bericht.« Rabas machte eine kurze Pause, bevor er weiter sprach, und rückte noch näher zur Kamera. Jetzt war nur noch sein Gesicht zu sehen, das den Umfang des Bildschirmes völlig einnahm. Er drehte sich kurz um, um sicherzugehen, dass er keine Mithörer hatte.
»Keine Bilder, keine Presse, Luca. Nichts und niemand darf von euch Notiz nehmen. Denkt an euren Schwur und daran, was mit euch passiert, falls Bilder von euch in der Presse auftauchen sollten.« Dann war der Bildschirm schwarz und das Gespräch beendet.
New York also! Mein letzter Auftrag lag drei Monate zurück. Seit meinem 17. Lebensjahr reiste ich durch die ganze Welt, doch diese Weltstadt war noch nie mein Ziel gewesen.
Ich klappte den Laptop zu und sah aus dem Fenster. In Gedanken fuhren meine Finger ganz automatisch zu meinem Oberarm und berührten die Stelle auf der Haut, die eine Verhärtung aufwies. Dort lag das Zentrum meines Ichs. Jenes Zeichen, welches mich dazu bestimmte, ein Taluri zu sein. Ich trug es mit Stolz. Damit war ich ein Teil dieser Macht, ein Teil dieser tödlichen Familie, vor der wir alle Angst hatten und die wir doch so sehr liebten.
Diesmal würde ich nicht versagen. Das durfte ich einfach nicht. Ich würde alles tun, um zu verhindern, dass mein Erschaffer unzufrieden mit mir sein würde, aber auch, dass ich
nicht gezwungen wurde, meinen besten Freund zu töten, in einem grausamen Spiel, in dem ich mein Wort gegeben hatte. © Text Any Cherubim
 
Frage: Wohin führt Lucas nächster Auftrag?
 
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Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 24

 
Heute könnt ihr das signierte Buch „Roana“ von Máire Brüning gewinnen!
 
 
Kurzbeschreibung:
Die junge Adelige Roana setzt sich über alle Regeln der mittelalterlichen Gesellschaft hinweg, um ihren verschollenen Onkel zu retten und gerät dabei in einen Strudel aus Intrigen und Eifersucht, der ihr beinahe zum Verhängnis wird.
Máire Brüning
 
Leseprobe aus dem Buch „Roana“ Genre: historischer Liebesroman Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition Außerdem findet ihr auf ihrem Facebook-Profil alle Infos zum Buch
 
 
Leseprobe
Plötzlich sprangen die Soldaten in einer fast perfekt aufeinander abgestimmten Bewegung nach vorne. Rafael wurde klar, dass sie diese Art des gemeinsamen Angriffs
lange trainiert hatten; eine Technik, die alles andere als ritterlich, aber dafür umso wirkungsvoller war. Selbst der beste Kämpfer war kaum in der Lage, drei Attacken abzuwehren, die gleichzeitig aus drei verschiedenen Richtungen ausgeführt wurden. Rafael versuchte es gar nicht erst. Sein Schwert sirrte mit einer fließenden Bewegung aus seiner Ruhestellung, die zugleich ein Angriff war, und verharrte einen halben Herzschlag reglos an seinem weit vorgestreckten Arm.
Die Klinge war so schnell durch Leder und Fleisch geglitten, dass an dem rasiermesserscharfen Stahl nicht einmal ein Tropfen Blut zurückgeblieben war. Der Soldat war bereits tot, nur sein Körper schien das noch nicht bemerkt zu haben. Er torkelte mit vorgestrecktem Schwert weiter auf Rafael zu, während seine Lederrüstung auseinanderklaffte und den Blick auf seine Brust freigab, auf der eine dünne, wie mit einer feinen Feder gezogene Linie zu sehen war.
Dann war Rafael unter dem Kämpfenden, ein Akrobat zwischen ungelenken Tölpeln, eine Schlange unter Schildkröten, ein effizienter Killer zwischen panisch herumhackenden Soldaten. Was er tat, sah wie eine Abfolge von Drehungen und Pirouetten aus, von Verneigungen und Sprüngen, ein Tanz, der ihn innerhalb weniger Herzschläge vom Rand des Kampfplatzes ins Zentrum des Geschehens brachte, wo die meisten Soldaten von seinem Auftauchen völlig überrascht wurden.
Rafael verschmolz mit seinem Schwert; er bemühte sich nicht, seinen Körper zu bewegen, sondern wurde selbst zu einer einzigen rasend schnellen, fließenden Bewegung. Sein Schwert zerteilte die Luft mit dem Geräusch von zerreißender Seide. Ein weiterer Soldat stellte sich Rafael entgegen – und er war schnell; doch im Vergleich zu Rafael war seine Reaktion geradezu lächerlich langsam; die Klinge sauste heran und enthauptete den Mann mit einem Schlag.
Rafael gönnte sich keine Atempause. Sein Schwert eilte wie von selbst seiner Bewegung voraus; die Waffe vollführte eine tänzelnde Welle und zischte plötzlich von unten nach oben durch die Luft. Wie gewünscht, traf sie auf Widerstand.
Der Soldat, der sich von hinten an Peire herangemacht hatte, starrte verständnislos an sich herab und sank langsam in die Knie.
Hinter Rafael schrie eine Frau, ein hoher, gequälter Laut, der ihn entgeistert herumfahren ließ. Schrecken durchzuckte ihn und explodierte zu nackter Panik, beim Anblick seines verhassten Vaters, der Roana in seinen Armen hielt, wie einen
Schutzschild, während ein blitzender Dolch reglos einen halben Zoll vor ihre Kehle verharrte.
»Du hast dir mächtig Zeit gelassen, mein Sohn«, sagte Lucca und ein spöttisches Lächeln umspielte seinen Mund. „Aber besonders zuverlässig warst du ja noch nie.«
»Lass sie los.«
»Forderungen, mein Junge? Du willst nicht wirklich ihren Tod, oder?«, fragte Lucca. Mit dem linken Arm hatte er Roanas Hals umschlungen und drückte ihr die Luft ab. Rafael sah, dass Roana schreien wollte, aber stattdessen verzweifelt um Atem rang. In den Augen des Mönches erschien ein kaltes, boshaftes Glitzern. Er schenkte weder Rafaels grimmiger Miene noch seinen Worten auch nur die geringste Beachtung.
Der Kampf war inzwischen zum Stillstand gekommen. Lorenzos Soldaten hatten Peire überwältigt und sahen dem weiteren Geschehen mit morbider Neugier zu, aber das würde nicht lange so bleiben. Rafaels Gedanken rasten wie wild.
»Was willst du für die Frau?«, fragte er.
»Dich, mein lieber Sohn«, sagte Lucca kalt. »Du wirst dich von meinen Männern widerstandslos fesseln lassen. Dann lasse ich deinen Diener vielleicht am Leben. Und das Weib vielleicht auch, wenn es denn sein muss.«
Etwas in Rafael schrie auf, wütend, in schierer Raserei von Gier und Enttäuschung, dieses Monster in Menschengestalt nicht töten zu können, aber irgendwie gelang es ihm, ruhig stehen zu bleiben.
»Lass die Frau los«, befahl er noch einmal.
Lucca lachte höhnisch. Statt Roana freizugeben, drückte er mit dem Arm brutal ihren Kopf nach hinten, die andere Hand hielt einen Dolch, dessen Schneide er so fest gegen Roanas Kehle drückte, dass bereits ein erster Blutstropfen zu sehen war.
»Lucca!« Rafaels Stimme war nur noch einen Deut davon entfernt, zu einem Schrei zu werden. »Lass sie los! Sofort!«
Lucca reagierte nicht, sondern starrte Rafael nur mit einem Hass an, den dieser nicht verstand. Der Dolch in seiner Hand bewegte sich, und fügte Roana einen zweiten, heftiger blutenden Schnitt am Hals zu. Seltsamerweise jedoch zuckte sie weder mit einer Wimper, noch kam der mindeste Schmerzenslaut über ihre Lippen. Ihr Blick blieb auf eine schreckliche Art leer.
»Ich will sehen, dass du Roana freilässt«, sagte Rafael. »Vorher bekommst du mich nicht.«
Lucca lachte. »Hört, hört«, spöttelte er.
»Du verdammter Feigling!« Nael drängte die Soldaten rücksichtslos beiseite, die ihn mit gezückten Waffen in Schach gehalten hatten, und trat einen Schritt auf Lucca zu. »Sei einmal ein Mann und vergreif dich an einem Gegner, der sich zu wehren vermag.«
Luccas Kopf fuhr zu ihm herum. »Herrgott noch mal, Nael! Du kannst dir nicht vorstellen, wie satt ich es habe, mir dein selbstgerechtes Gefasel von Ehre anzuhören. Entweder, du gehst jetzt hinüber und befreist deinen Herrn Bruder von seinem Schwert oder die Frau ist ein Leichnam. Entscheide dich.«
Rafaels Blick flog zu Nael hinüber. Aus seiner Kehle kam ein Laut, der mehr einem tierischen Knurren, als menschlichen Worten glich. Plötzlich fielen die fehlenden Teile des Bildes an ihren Platz und offenbarten einen Verrat von ungeheuerlichem Ausmaß.
Auch Nael war blass geworden, aber das bemerkte Rafael nicht, er war meilenweit von sich selbst entfernt; er empfand nichts weiter als die Gewissheit, dass er nicht nur zum Vater- sondern auch zum Brudermörder werden würde.
»Das Schwert, Nael«, erinnerte Lucca. Der Medicus bewegte sich vorwärts, langsam und unbeholfen, wie eine Marionette in der Hand eines schlechten Spielers. Er ging zu Rafael hinüber und streckte die Hand aus.
»Ich wusste nichts davon…es tut mir leid, «, flüsterte er hastig. »Ich werde versuchen, ihn abzulenken.«
Er nahm Rafaels Waffe an sich, kehrte auf seinen Platz zurück und stieß das Schwert neben sich in den Boden. »Jetzt lass die Frau los«, verlangte er.
Für einen entsetzlich langen Moment reagierte Lucca nicht, sondern starrte Nael nur an. Endlich ließ er den Dolch sinken. Gleichzeitig versetzte er Roana einen Stoß, der diese nach vorn taumeln und unmittelbar vor Nael auf die Knie fallen ließ. Auf einen Wink Luccas setzten sich Lorenzos Soldaten zögernd in Bewegung.
Nael wollte Roana aufhelfen, aber sie zitterte so sehr, dass er das Unterfangen schnell aufgab und einfach einen Schritt über ihren Körper hinweg machte.
»Stehen bleiben!«, befahl Nael den Soldaten. Und wenngleich auch der gequälte Ausdruck in seinem Blick etwas Anderes anzudeuten schien, klang seine Stimme hart und unnachgiebig.
»Was soll das, Nael?«, fragte Lucca belustigt. »Du hast die Frau, also gib dich zufrieden und sei still.«
»Du hast mich benutzt«, sagte Nael ernst. »Wieder einmal. Ist das dein Verständnis von ausgleichender Gerechtigkeit, dass du mich jetzt zwingst zuzusehen, wie du meinen Bruder tötest?«
»Jeder wählt seinen eigenen Weg. Du hättest nie von Rafael erfahren, wärst du nicht so dumm gewesen, ihn nach seiner Verletzung wieder zusammenzuflicken. Ohne dich wäre er einfach gestorben. So aber -« Er zuckte die Schultern. »Ein Fehler, den ich nicht ungestraft lassen konnte.«
Nael gab keine Antwort mehr. Wie geschlagen senkte er die Lider und sah zu Boden.
Rafael beobachtet ihn gespannt.
»Du schweigst, als hättest du endlich begriffen«, sagte Lucca. »Ich kann nur hoffen, dass es so ist. Es wäre mir furchtbar, wenn du ohne das nötige Wissen in den Tod gehen müsstest.«
Naels Kopf ruckte hoch, während er schon herumwirbelte, Rafaels Damaszenerklinge ergriff und sie aus der Drehung heraus seinem Bruder zuwarf. Mit der gleichen fließenden Bewegung entriss er einem der Soldaten die Waffe und griff an.
Für einen Mann seiner Größe bewegte Lucca sich unglaublich schnell. Weder versuchte er Nael mit einer ausgefeilten Technik oder geschickten Finten abzuwehren, sondern er
setzte einfach auf seine Kraft und seinen massigen Körper – gepaart mit seiner unerwarteten Schnelligkeit eine nahezu tödliche Mischung.
Nael blieb gar keine andere Wahl, als sich mit einem hastigen Satz in Sicherheit zu bringen und mehr schlecht als recht den wuchtigen Schwerthieb zu parieren, mit dem Lucca diese erste Attacke begleitet – allerdings um den Preis, dass er aus dem Gleichgewicht geriet und sich nur durch einen instinktiven Ausfallschritt vor dem Sturz bewahren konnte. Diese Blöße nutzte Lucca aus. Sein Schwert prallte dicht über der Parierstange gegen Naels Schwert und riss dessen Arm in die Höhe; im selben Atemzug schmetterte er ihm die geballte Faust ins Gesicht. Nael taumelte zurück, spie Blut und war für die Dauer eines Herzschlags so gut wie blind. Dennoch gelang es ihm, Luccas nächsten Hieb gerade noch abzublocken – aber der Fußtritt, den ihm sein Vater nun versetzte, fegte ihm die Beine weg. Nael schlug schwer auf dem Boden auf und rollte sich mit letzter Anstrengung zur Seite; dann spürte er einen brennenden Schmerz, den Lucca hatte ihm nachgesetzt und ihm mit einem weiteren Hieb eine tiefe Fleischwunde quer über der Brust zugefügt.
Aus den Augenwinkeln sah Rafael, wie Nael stürzte. Sein nächster Hieb machte kurzen Prozess mit dem Soldaten, der ihn attackierte, dann wirbelte er mitten in der Bewegung zu Lucca herum.
Sein Vater hob die Waffe, salutierte spöttisch und deckte Rafael im nächsten Augenblick mit einem wilden Hagel von Hieben ein.
Rafael wusste, dass er der brutalen Kraft seines Vaters wenig ent-gegenzusetzen hatte; statt sich ihm entgegenzustellen, duckte er sich unter einem Hieb von Luccas Schwert hindurch, neigte sich beiseite, als die Klinge mit einer Rückhandbewegung wieder auf ihn zuzuckte, drehte sich einmal um sich selbst und war wieder außer Reichweite, als das Schwert senkrecht auf ihn hinunterschlug. Auf Luccas Gesicht erschien ein siegessicheres Lächeln. »Du bist gut, Junge«, keuchte er mit leicht zitternder Stimme. »Aber nun ist es genug. Ich habe keine Zeit mehr mich noch länger mit dir zu beschäftigen. Bereite dich darauf vor, zu sterben.«
Und er griff mit der Gewalt eines wütenden Stieres erneut an.
Rafael kam seinem Angriff um einen Herzschlag zuvor, indem er sich geschickt fallen ließ, seinen Fuß hinter Luccas Standbein hakte und ihn mit einem Ruck aus dem Gleichgewicht brachte. Lucca schoss wild mit den Armen rudernd an ihm vorbei, sodass Rafael längst wieder auf den Beinen stand, als Lucca auf ihn einhieb, ihn aber um
Haaresbreite verfehlte. Im selben Atemzug holte Rafael aus und überzog seinen Vater mit einer Serie unglaublich schneller, dabei aber äußerst präzise geführter Hiebe. Und als Luccas Schwert das nächste Mal herabsauste, parierte Rafael den Hieb auf eine Art, die ihn fast seine ganze verbliebene Kraft kostete; nichtsdestotrotz wirkte diese Parade beinahe spielerisch. Rafael lachte laut. »Weißt du was, Lucca? Im Gegensatz zu mir bist du nicht gut. Nur groß und stark und alt. Zu alt. Aber nicht wirklich gut.«
Lucca antwortete nicht, aber seine Lippen verzogen sich zu einem schmalen, blutleeren Strich, und in seinen Augen loderte pure Mordlust auf. Er schlug mit solcher Gewalt zu, dass dieser Hieb Rafael bei einem Treffer vermutlich in zwei Teile gespalten hätte. Doch der Bedrängte wich im letzten Augenblick zur Seite und schraubte sich mit einer tänzelnden Bewegung um seinen Vater herum. Anstatt Lucca zu verletzen, was er in dieser Situation gekonnt hätte, trat er ihm mit der ganzen, ihm zur Verfügung stehenden Kraft in den Hintern und lachte ihm ins Gesicht, als Lucca mit einem zornigen Knurren wieder zu ihm herumfuhr.
Die Kämpfer waren so aufeinander konzentriert, dass niemand bemerkte, wie Roana zu einem der gefallenen Soldaten kroch. Sie griff nach dem Schwert des Mannes und stemmte sich auf die Klinge gestützt, schwerfällig auf die Beine. Sie schwankte von einer Seite auf die anderen, und ihre Knie vermochten kaum das Gewicht ihres Körpers zu tragen. Trotzdem tat sie den ersten Schritt vorwärts. Dann einen Zweiten. Und setzte sich taumelnd in Bewegung.
Rafael parierte einen weiteren Hieb und verletzte seinen Vater dabei an der Hand. Lucca grunzte wütend, riss sein Schwert in die Höhe und stürmte mit der Unaufhaltsamkeit einer Naturgewalt auf Rafael zu.
Bevor dieser jedoch reagieren konnte, taumelte Roana vor, ließ sich auf die Knie fallen, packte ihr Schwert mit beiden Händen und riss die Klinge schräg nach oben, während sie sich gleichzeitig zur Seite wegdrehte. Der rasiermesserscharfe Stahl drang durch Luccas Körper und trat auf halber Höhe des Rückens wieder heraus. Der Mönch erstarrte. Über seine Lippen kam ein seufzender Laut. Seine Finger öffneten sich, das Schwert fiel zu Boden. Ganz langsam sank er vor Roana auf die Knie.
Roana hielt den Griff ihrer Waffe noch immer mit beiden Händen umklammert. Die Klinge bewegte sich weiter und richtete unvorstell-bare Verheerungen in Luccas Körper an. Blut lief über seine Lippen, er keuchte vor Schmerz, seine Augen waren trüb und er zitterte am ganzen Leib.
Rafael beugte sich über Roana, löste ihre Finger vom Schwertgriff, dann sprang er auf und riss das Schwert mit einem Ruck aus Luccas Körper. Lucca blieb noch für die Dauer eines einzelnen, trotzigen Herzschlages reglos und aufrecht auf den Knien hocken, dann fiel er langsam nach vorne und schlug mit einem gedämpften Geräusch auf dem Waldboden auf. © Text Máire Brüning
 
 
Frage: In welchem Verhältnis stehen Rafael, Nael und Lucca zueinander?
 
 
Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de(Betreff: 24. Türchen plus heutiges Datum) Einsendeschluss ist um Mitternacht. Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und per Email benachrichtigt.
Veröffentlicht in Allgemein

Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 23

 
Heute könnt ihr das Buch oder das eBook „Der Vamp – Sehnsucht und Leidenschaft“ von Divina Michaelis gewinnen!
 
 
Kurzbeschreibung:
Denise, immer auf der Suche nach dem Mann fürs Leben, trifft auf Maya, eine Frau, die die Männer nimmt, wie sie kommen. Obwohl sie in ihrer Art zu leben so unterschiedlich zu sein scheinen, beginnt sich zwischen beiden eine enge Freundschaft zu entwickeln, die Denise einmal das Leben retten wird. Denn Maya ist nicht das, was sie Denise gegenüber vorgibt zu sein.
Divina Michaelis
 
Leseprobe aus dem Buch „Verdammte Liebschaften“ Genre: Erotik Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition
 
 
Leseprobe
Maya
„Oh ja, gut so, mach’s mir!“, stöhnte ich, während ich mir überlegte, was ich tun könnte und sich der Typ, ich glaube Matthias war sein Name, auf mir abrackerte und dabei zufrieden grunzte.
„Ja, tiefer!“
Namen waren für mich genauso flüchtig wie Gesichter. Kein Wunder, lebten die meisten Männer nicht lange genug, dass es sich lohnen würde, sie sich zu merken. Und trotzdem wollte ich wenigstens beim Akt wissen, wie ich den Kerl ansprechen sollte.
„Mehr!“
Das störte mich auch alles nicht – und die Männer auch nicht. Wenn ich mit ihnen fertig war, konnte ich sie ansprechen, wie ich wollte. Ich war versucht, ihnen allen den gleichen Namen zu geben. Klaus-Dieter? Oder vielleicht Hans-Peter? Ach was, Idiot musste auch reichen.
„Ohhhh ja, ich liebe es!“
Es würde auch dieses Mal beinahe so ablaufen wie immer: Wenn Matthias fertig war, respektive wenn ich mit ihm fertig war, würde ich ihn nach Hause schicken. Nur mit dem Unterschied, dass ich ihm dieses Mal befehlen würde, seine Freundin zu verlassen.
„Fester!“
Das arme Ding hatte noch keine Ahnung, wie sehr er sie seit Monaten hinterging. Dafür brüstete sich das Schwein auch noch mit der Naivität seiner Freundin. Natürlich nicht mir gegenüber, aber als ich ihn an der Bar bemerkt hatte, unterhielt er sich gerade mit einem Kumpel über sie und die anderen ‚Hühner‘, die er so flachlegte. Ihn herumzukriegen war für mich mehr als einfach, und ich ließ ihn in dem Glauben, dass er es war, der mich herumgekriegt hatte.
„Na los, weiter!“
Matthias hatte wirklich einen Riesenlümmel und schien daraus abzuleiten, dass die Frauen reihenweise vor Freude in Ohnmacht fallen müssten, wenn sie das Teil
erblickten. Bei der einen oder anderen mochte das durchaus der Fall sein, aber die schienen nicht zu wissen, das ein großer Schwanz kein Garant für guten Sex war. Ich hatte definitiv schon besseren mit deutlich kleineren Lümmeln gehabt. Aber ich nehme es halt, wie es kommt.
„Ouh, du bist der Beste!“
Meine Gedanken schweiften erneut ab und ich überlegte schon wieder, was ich machen würde, wenn das hier vorbei war. Üblicherweise, wenn die Männer weg waren, erledigte ich nach dem Sex meinen Einkauf oder ging mich irgendwo amüsieren. Das kam immer ganz darauf an, wie weit die Zeit schon fortgeschritten war und ob die Läden noch beziehungsweise schon wieder geöffnet waren. Im Anschluss daran legte ich mich hin und versuchte zu schlafen. Meistens blieb es bei dem Versuch.
„Oh mein Gott!“
Ich hatte das Stadtleben so satt! Leider war es zu laut, als dass ich an einen erholsamen Schlaf auch nur denken könnte. Das ging mir zwar schon seit Jahren so, allerdings hatte sich das Problem im Laufe der Zeit immer mehr verschärft, da auch der Verkehr in den letzten Jahren stetig zunahm.
„Mmmh, fester!“
Beinahe jeden Tag grübelte ich darüber. Die Stadt bot mir zwar ideale Voraussetzungen an, zumindest was meinen Männernachschub betraf, doch da ich darauf angewiesen war, meinen Tag zur Nacht zu machen, war es nun einmal äußerst ungünstig, wenn ich tagsüber nicht zum Schlafen kam. Tat ich es nicht, wurde mein Energieverbrauch größer und ich brauchte eher Nachschub.
„Uh, ja, mehr!“
Außerdem stinken Städte. Eigentlich sollte man meinen, dass man sich mit der Zeit an einen Geruch gewöhnen könnte, allerdings ist ein Gewöhnungseffekt kaum möglich, wenn sich die Gerüche ständig abwechseln. An einer Ecke stinkt es nach Dönerbude, an einer anderen nach Fritten – oder es läuft einer mit einem Zigarillo vor einem her, der nächste mit einer Alkoholfahne, dass einem schlecht wird. Dann kommt noch die Masse an Autoabgasen hinzu, die je nach Übertünchung durch andere Gerüche mal mehr, mal weniger stark durchsticht.
„Oh, du Hengst, zeig mir, wo der Hammer hängt!“
Letztendlich kam ich mehr und mehr zu dem Schluss, dass ich um einen Ortswechsel kaum herumkommen würde. Doch auch ich war so wie die meisten anderen gepolt – ich hing an meinen Gewohnheiten, die Stadt war nämlich auch bequem. Hier war man genau an der Quelle, egal zu was. Die Verkehrsanbindungen waren wirklich gut, die Läden leicht zu erreichen, und letztendlich war das Nachtleben das, was mein Überleben sicherte. Würde ich außerhalb leben, hätte ich zwar Ruhe und gute Luft, andererseits müsste ich auch einen entsprechend langen Fahrweg mit einkalkulieren, um wieder hierher zu kommen. Wie viel Zeit würde ich dafür opfern wollen?
„Los, fick mich richtig durch!“
Meine Gedanken kehrten zu Matthias zurück. Sein Grunzen wurde heftiger, seine Bewegungen drängender und ich konnte spüren, dass er kurz vor dem Abspritzen war.
Jetzt war es wichtig für mich aufzupassen, denn diese Gelegenheit musste ich nutzen. Es ging immer nur dann, wenn der Mann sich mir freiwillig öffnete.
Ich spannte meine Vaginalmuskulatur an, damit es für ihn noch enger werden würde, und das brachte mir den gewünschten Erfolg: Er ergoss sich in mir, seine Aura wurde durchlässig und ich konnte ihm seine Lebensenergie abgreifen.
Oh, nicht dass ich sie ihm komplett nehmen würde, das wäre ja schön dumm von mir. Ich wüsste nicht, wo ich die Massen an Leichen unbemerkt entsorgen sollte, außerdem würde es im Laufe der Zeit sicherlich auffallen. Aber es war immer so viel Energie, dass es mein Leben bereicherte und er gerade noch genug hatte, um nach Hause zu gehen. Dort konnte er sich dann erst einmal ausschlafen, etwas essen und trinken und erneut ein wenig Kraft tanken – oder einfach das tun, was ich ihm aufgetragen hatte.
Eine gute Woche lang würde er mich noch besuchen können, um meinen Vorrat aufzufüllen, dann taugt er für mich allerdings auch nicht mehr und darf bei sich zuhause sterben.
Tja, war der Nachteil an dem Ganzen: Sie starben spätestens nach ein paar Wochen, je nach Konstitution früher oder später. Das lag daran, dass die Aura durch meine Aktion Löcher bekommt, durch die die Lebensenergie praktisch heraussickert. Dumm gelaufen.
Allerdings war es auch nicht so wirklich schade um die Männer, die in meine Hände gerieten, denn ich achtete überwiegend darauf, dass ich nur die fiesen Machotypen erwischte, also diejenigen, die ihre Partnerinnen betrogen oder sie misshandelten.
Wie auch immer, Matthias war ein recht ansehnliches Exemplar von Mann und ich konnte nachvollziehen, dass ihm die Frauenherzen nur so zugeflogen sind. Nicht nachvollziehen konnte ich allerdings, dass er sich ihnen gegenüber dann als ein solches Arschloch aufgeführt hatte.
Wahrscheinlich würde ich es nie begreifen. Nun war es allerdings auch egal, denn Matthias war jetzt lammfromm und gehörte für die nächste Woche mir!
Das Ende der Beziehung und ein neuer Anfang
Denise
„Du hast WAS?“, schrie ich Matthias an.
Er stand ein wenig müde über einen Koffer gebeugt im Schlafzimmer und war dabei, seine Sachen darin zu verstauen. Es war derselbe Koffer, mit dem er vor einem halben Jahr bei mir eingezogen war.
„Ich habe mit einer anderen geschlafen“ wiederholte er seine Aussage, anscheinend vollkommen unbeeindruckt von meiner Bestürzung. „Wobei – es war nicht nur eine, sondern ziemlich viele, aber nur die eine ist für mich wichtig. Ehrlich gesagt habe ich auch keinen Bock mehr auf dich und dieses Kaff. Das geht mir alles auf die Nerven. Ich zieh aus! Erst einmal komme ich bei Gregor unter, bis ich zu meiner neuen Freundin ziehen kann.“
„Ihr seid also schon fest zusammen“, bemerkte ich tonlos.
„Definitiv! Sie ist wunderschön, hervorragend im Bett, weltoffen, bei Weitem nicht so ungeschickt wie du und wohnt in Hamburg, wo etwas los ist, nicht in einem Nest wie Rosenweide. Außerdem liebe ich sie.“
Das alles klatschte er mir vor die Füße und ich konnte nichts weiter tun, als um meine Fassung zu ringen.
„Aber du liebst mich!“, versuchte ich als Argument anzubringen. „Du hast es mir immer wieder gesagt.“
Ich konnte lediglich glauben, dass er mich mit der Behauptung, er hätte mit vielen Frauen geschlafen, aus irgendeinem Grund verletzen wollte, nicht jedoch, dass er es wirklich getan hat. Nur warum er das sagte, wollte mir nicht in den Kopf. Irgendetwas musste ich falsch gemacht haben.
Matthias schloss den Koffer und streckte den Rücken. Er sah zwar müde aus, schien aber sehr entschlossen zu sein, mich sofort zu verlassen.
„Nein, habe ich nicht!“, behauptete er und sah mir dabei in die Augen.
„Natürlich hast du das. Du hast schon am Anfang unserer Beziehung von Liebe auf den ersten Blick gesprochen. Und erst vor ein paar Tagen hab ich dich gefragt, ob du mich liebst, und du hast mir das bestätigt“, beharrte ich auf meinem Standpunkt.
Sein Blick war beinahe mitleidig, als er den Kopf schüttelte.
„Ich habe am Anfang zwar gefragt, ob du an Liebe auf den ersten Blick glaubst, aber ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass es mir bei dir so gegangen ist. Und gestern hast du mich gefragt und ich habe dir eine Gegenfrage gestellt. Weißt du auch noch welche?“
In Gedanken ging ich alle Gelegenheiten durch, in denen ich glaubte, dass er mir seine Liebe beteuern würde, doch ich fand tatsächlich keine, bei der das der Fall war. Mir wich das Blut aus dem Kopf, als mich die Erkenntnis traf.
„Du hast gefragt, wie man mich nicht lieben könnte.“
Sein Nicken bestätigte meine Aussage.
„Genau. Ich habe dich nur gefragt, wie man dich nicht lieben könnte und wenn du mich gefragt hättest, hätte ich es dir sagen können. Aber du hast das ja lieber so interpretiert, wie du es immer tust. Du bist total unreflektiert“, behauptete er.
„Ehrlich gesagt bist du eine wandelnde Katastrophe. Am Anfang fand ich das alles ja noch ganz niedlich, aber inzwischen geht es mir tierisch auf den Senkel, dass man sich nirgendwo mit dir blicken lassen kann, ohne dass es einen peinlichen Moment gibt. Da
gehe ich doch lieber mit einer der anderen aus, die ich während unserer Beziehung“, das Wort Beziehung betonte er noch extra, als ob er etwas Schlechtes gegessen hätte, „gevögelt habe.“
So langsam sickerte der Verdacht in mein Hirn, dass er das Ganze doch ernst gemeint haben könnte. Ich war fassungslos. „War denn alles gelogen?“
„Ich hab dich nicht angelogen. Ich habe dir nur nicht alles gesagt. Ich liebe dich nicht und habe dich niemals geliebt. Ich habe dir das auch nie gesagt. Und dafür, was du in meine Aussagen rein interpretierst, kann ich nichts.“
Ich wusste darauf echt nichts zu erwidern. Sein Verhalten war einfach nur dreist.
Abgesehen davon, dass er mir meine naturgegebene Ungeschicklichkeit vorwarf, hat er mich also das ganze halbe Jahr mit Suggestivfragen zum Narren gehalten, mich glauben lassen, dass er mich liebt und nebenbei andere gevögelt. Und wofür?
„Gib doch zu, du hast mich absichtlich in dein Messer laufen lassen. Und nun gibst du mir noch die Schuld dafür?“
Er zuckte die Schultern.
„Na ja, ich kann ja nichts dafür, dass du so naiv bist“, war seine Antwort.
In mir brodelte es, doch es gelang mir noch, einigermaßen ruhig zu bleiben.
„Warum? Warum hast du mich glauben lassen, dass du mich liebst? Warum, wenn das alles nicht wahr ist? Wozu diese Farce?“
Jetzt nahm er den Koffer am Griff und hob ihn vom Bett. Er presste vor Anstrengung die Lippen zusammen, ging an mir vorbei, aus der Tür hinaus und schleppte den Koffer die Treppe runter. War ich denn so wenig wert, dass er mir nicht einmal sagen wollte, was Sache war?
Ich folgte ihm. Als er sich die Jacke anzog, versuchte ich noch einmal, eine Antwort von ihm zu bekommen.
„Warum?“, fragte ich erneut.
Sein einer Arm steckte bereits in einem Ärmel, als er inne hielt und mir wieder ins Gesicht sah.
„Ganz ehrlich?“
Ich nickte.
„Ich brauchte einen Platz zum Schlafen. In der Woche davor hatte mich meine Ex-Freundin rausgeschmissen und ich hatte keine Lust, weiter im Hotel zu übernachten. Du kamst mir da gerade recht. Und für ein bisschen Unterhaltung und schmeichelnde Worte habe ich noch ein paar nette Ficks und eine Haushälterin umsonst bekommen. Besser kann man es doch nicht haben.“
Auch wenn ich mir vorher alles andere halbwegs ruhig angehört hatte, bei diesen Worten sah ich rot. In mir zerbrach etwas und ich griff nach dem erstbesten Gegenstand, der mir in die Finger kam und warf es nach ihm.
Schnell duckte er sich, sodass die Glasvase mit der gelben Rose, die er mir gestern erst geschenkt hatte, an der Stelle zerschellte, wo sich kurz zuvor noch sein Gesicht befunden hatte.
Er blickte auf das Chaos, dann den nassen Fleck mit der kaputten Tapete an der Wand, dann auf mich – und grinste boshaft.
„Ich sag doch: ungeschickt!“
Mit diesen Worten öffnete er schnell die Tür und war schneller draußen, als ich meinen Hausschuh nach ihm werfen konnte. Dieser landete mitten zwischen Glassplittern und der Blume.
„Du mieses Arschloch!“, rief ich schluchzend gegen die geschlossene Tür, auch wenn er es nicht mehr hören konnte. Dann ging ich zu dem Scherbenhaufen und versuchte heulend, die Reste der Vase zusammenzusuchen, aber sie war in zu viele kleine Teile zersprungen. Weder die Vase, die Blume noch der Latschen war noch zu retten. Da war nichts, was noch zu kitten wäre – genau wie meine Beziehung!
Nie wieder würde ich einem Mann vertrauen, der mir nicht direkt sagt, dass er mich liebt. Ich interpretiere falsch? Dann werde ich ab jetzt nur noch das hören, was gesagt wird und gar nichts mehr interpretieren. So etwas passiert mir nur ein Mal!…
© Text Divina Michaelis
 
Frage: Warum ist Matthias wirklich zu Denise gezogen?
 
Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de(Betreff: 23. Türchen plus heutiges Datum) Einsendeschluss ist um Mitternacht. Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und per Email benachrichtigt.